Socken stricken – Einsteigeranleitung

 

Meine Anleitung zum Sockenstricken gab es in der Familie meines Liebsten schon, als Deutschland noch von einem Kaiser regiert wurde. Sie ist mein heiliger Schrein. Am Anfang habe ich sklavisch danach gearbeitet, heute gönne ich mir vor allem im Sockenschaft und bei den Maschenabnahmen ein bisschen Freiheit, die mir das Sockenstricken erleichtern. Meine aktuelle Anleitung, ergänzt um die Tipps der Sockenkönigin, die mir das Familiengeheimnis dieser Technik verraten hat, findet ihr hier (reicht für Größe 36/37):

2014-04-22 23.32.091. Maschen aufnehmen und zwar so, dass am Ende genau 16 auf jeder der vier Nadeln liegen. Am einfachsten geht das, wenn man zwei Nadeln zusammenlegt und mit ihnen gemeinsam die Maschen anschlägt. Liegen 32 Maschen auf den beiden Nadeln, zieht man die eine in die eine Richtung, die andere in die andere Richtung aus je der Hälfte der Maschen, so dass wieder auf jeder 16 Maschen liegen. Das dann auch mit den anderen beiden Nadeln machen. Der Verteil dieser Technik: Die Maschen liegen schön locker auf den Nadeln und können so leicht abgestrickt werden.

2014-04-22 23.33.582. Jetzt wird so lange immer eine rechts, eine links gestrickt, bis der Schaft 13 Zentimeter hoch ist – oder, wenn ihr ein Bündchen fertigen wollt, bis das die richtige Höhe hat. Mir reichen dafür drei bis fünf Zentimeter. Für den Anfang gilt: Nadelspiel nicht zu nah ans Gesicht halten. Ist man ungeübt, neigen die Nadeln dazu, sich selbstständig zu machen und in alle Richtungen zu pieken, jedenfalls bis man ein paar Zentimeter Bündchen auf der Nadel hat. 2014-04-23 00.13.15Nicht aufgeben! Sobald ein paar Zentimeter gestrickt sind, schließen sich nämlich auch die weite Maschen zwischen den Nadeln, die wie Löcher aussehen.

Kleiner Tipp der Sockenkönigin: Im Rippenmuster die rechten Maschen nicht von vorn abstricken, sondern mit der Nadel in den hinteren Faden der Masche stechen und sie dann normal rechts abstricken. Dabei verschränkt sich der Faden und das Gewebe wird fester, für den Sockenschaft, der Ja nicht rutschen soll, ist der Tipp Gold wert!

3. Nach dem Bündchen ausschließlich in Rechten Maschen weiterstricken, bis der Sockenschaft  für euch die richtige Länge hat. Inklusive Bünchen reichen mir 10 Zentimeter. Strickt ihr kein Bündchen, schließt sich der nächste Arbeitsschritt direkt an die 13 Zentimeter rechts-links-Schaft an. Nun die ersten drei der vier Nadeln mit einfach rechten Maschen abstricken. Auf der vierten Nadel beginnt die Ferse. Dafür am Anfang zwei rechts und zwei links, dann einfach rechts weiter stricken, und zwar nicht nur, bis diese Nadel abgestrickt ist. Stattdessen strickt man auch die Maschen auf Nadel Nummer 1 mit rechten Maschen auf die vierte Nadel, so dass dort am Ende also 32 Maschen liegen. Aber Vorsicht: Die letzten vier Maschen werden wieder im Muster zwei links, zwei rechts gestrickt. Das gibt eine hübsche Seitenabgrenzung der Ferse.

DSCN07964. Jetzt sind also nur noch drei Nadeln im Spiel. DIe vierte legt ihr beiseite. Die beiden “kleinen”, also die, auf denen nur 16 Maschen liegen, ignorieren wir fürs Erste. Um die Ferse zu stricken, kümmert uns nur noch die eine “große” Nadel. Dort werden jetzt 12 Hin-und-Rück-Reihen gestrickt. Und zwar in der Hinreihe (das ist die, bei der die Außenseite der Socke zu euch zeigt) immer am Anfang zwei rechts, zwei links, dann rechts durchgehend, und am Ende wieder zwei links, zwei rechts. Die Rückreihe wird einfach mit linken Maschen abgestrickt und zwar vom Anfang bis zum Ende.

DSCN07935. Am Ende habt ihr ein „Läppchen am Sockenschaft, an dessen Enden durch die je zwei linken Maschen kleine Stege entstanden sind. Sind es 12, könnt ihr so weitermachen: Teilt die 32 Maschen auf der großen Nadel gedanklich in drei Teile: 10 Maschen, 12  Maschen und noch mal 10 Maschen. Jetzt geht es ans Maschenreduzieren, damit eine echte Ferse entsteht. Dafür strickt ihr am Anfang die ersten 22 Maschen normal rechts ab, es DSCN0800bleiben 12 auf der Nadel, doch ihr wendet jetzt den halben Socken und strickt zurück (linke Maschen!), und zwar genau 11 Maschen. Masche Nummer 12 wird zusammen mit Masche Nummer 13 zusammen abgestrickt, die streng genommen Masche Nummer 1 aus dem zweiten 10-Maschen-Block ist. Wieder wenden, wieder 11 Maschen stricken (rechts), wieder Masche 12 und 1 zusammenstricken (rechts, am besten wieder hinten einstechen wie beim Bündchen). So geht das weiter, bis ihr am Ende auf der großen Nadeln nur noch 12 Maschen habt.

DSCN0802 6. Jetzt müssen wir die Ferse schließen. Dafür müsst ihr auf einer der bisher freien Nadeln neue Maschen aufnehmen und zwar aus den “Zöpfle”, wie das in Schwaben heißt. Gemeint sind die  Randmaschen an der momentan nach oben stehenden Ferse, die von oben betrachtet, wie kleine Zöpfe aussehen. Wenn ihr 12 Runden gestrickt habt, habt ihr jetzt auch 12 Zöpfle. Nehmt von jedem Zöpfle eine Masche auf die freie Nadel und gönnt euch am Ende eine extra Masche, damit kein Lock entsteht. Insgesamt solltet ihr jetzt also 13 Maschen auf der neuen Nadel haben.

Tipp der Sockenkönigin: Dabei die Maschen einmal drehen, damit sie unter der Nadel ein kleines Kreuz bilden, sieht die Masche dagegen auf der Nadel wie ein Krickettor aus, entstehen später beim Abstricken kleine Löcher. Die Socke kann man dann zwar trotzdem tragen, schön sieht es aber nicht aus.

7. Wolltet ihr jetzt weiterstricken, bekämt ihr ein Problem, denn alle fünf Nadeln sind belegt. Wir müssen also eine Nadel freiräumen, mit der wir weitermachen können. Dazu taugt die Nadel am besten, auf der momentan die Ferse ruht. Sie trägt momentan 12 Maschen, die wir einfach halbe-halbe auf die Nadeln rechts und links verteilen. Und da wir ja keine Nadel zum Abstricken haben, werden sie einfach rechts und links abgehoben. Wenn bis hierher alles richtig gelaufen ist, müsstet ihr auf Nadel eins und vier 19 Maschen haben, auf Nadel zwei und drei 16.

Mit der freien Nadel könnt ihr jetzt die vierte Nadel ganz normal zu Ende abstricken und müsstet am Ende wieder an der Mitte der Ferse angelangt sein. Jetzt zur Sicherheit eine komplette Runde rechte Maschen über alle vier Nadeln stricken und fertig ist die Ferse. Ab jetzt wird der Rest ein Kinderspiel.

DSCN08038. Nach der alten Familienanleitung werden jetzt in jeder achten Runde je zwei Maschen auf den „großen“ Nadeln zusammen abgestrickt, und zwar drei Mal, damit am Ende wieder auf allen Nadeln 16 Maschen liegen. Ich mache das inzwischen ein bisschen anders: Ich nehme an dieser Stelle der Arbeit in den kommenden drei Runden die nötigen Maschen ab. Dazu einfach jeweils auf Nadel eins die letzten beiden und auf Nadel vier die ersten beiden Maschen zusammen abstricken. Wer den Socken lieber langsamer enger machen will (bei großen Größen durchaus eine wichtige Frage, weil ihr dann mehr Maschen reduzieren müsst, es also schnell relativ eng werden kann am Fuß, wenn ihr die alle direkt nacheinander abnehmt), folgt ihr einfach der In-jeder-achten-Runde-zusammenstricken-Regel.

Tipp der Sockenkönigin: Wer keinen Rundenzähler benutzt, kann einfach acht Streichhölzer bereit legen und nach jeder Runde eins in die Schachtel oder ein Körbchen legen. So muss man nicht ständig selbst mit- oder nachzählen, wie viele Runden man jetzt eigentlich genau gestrickt hat.

2015-02-20 22.45.309. Jetzt strickt so lange mit rechten Maschen Runde für Runde, bis der Fuß vom Ende der Ferse bis zu den Nadel 16 Zentimeter lang ist, wenn ihr nach Familienanleitung stricken wollt. Dann kommen noch mal achten Runden rechte Maschen drauf (Streichhölzer nicht vergessen!), und dann seid ihr schon bei der Spitze. Ich bin inzwischen dazu übergegangen, die Spitze kompakter zu stricken und stricke deshalb rechte Maschen durchgängig, bis die Socke von der Ferse bis zur Nadel ca. 18 Zentimeter lang ist (Vorsichtig, das reicht dann wirklich nur für Größe 36. Im Zweifel lieber noch zwei Zentimeter zugeben).

2015-02-20 23.24.0410. In der Spitze müssen naturgemäß wieder Maschen abgenommen werden. Sie soll sich ja schließen. Liegt eine gerade Anzahl Maschen auf der Nadel, werden dafür die beiden mittlersten Maschen gemeinsam abgestrickt. Liegt eine ungerade Zahl auf der Nadel, werden die beiden letzten Maschen gemeinsam abgestrickt.

Laut Familienanleitung läuft das nach folgendem Muster: In der ersten Reihe wird abgenommen, das heißt auf jeder Nadel werden zwei Maschen nach dem oben genannten Muster abgestrickt (am Anfang liegen 16 Maschen darauf = gerade Zahl = in der Mitte zusammen abstricken). Danach werden zwei Runden normal rechts gestrickt ohne Abnahme. Dann kommt wieder eine Runde, in der abgenommen wird (jetzt liegen dort 15 Maschen = ungerade = am Ende abstricken). Dann kommt eine Runde ohne Abnahme normal rechts. Dann wieder eine Runde Abnahme, eine Runde normal, und anschließend wird in jeder weiteren Runde IMMER abgenommen. Das geht so lange bis auf jeder Nadel nur noch zwei Maschen liegen.

In meiner vereinfachten Variante spare ich mir die Zwischenrunden und nehme nach den 18 Zentimetern einfach in jeder Runde ab – halte mich dabei aber an oben genannten Rhythmus. Abgenommen wird in beiden Versionen so lange, bis auf jeder Nadel nur noch zwei Maschen liegen.

2015-02-20 23.29.5711. Das war’s schon fast. Jetzt könnt ihr den Faden großzügig abschneiden. Er wird jetzt noch einmal jeweils durch die beiden übrig gebliebenen Maschen auf jeder Nadel gezogen, als ob man eine normale rechte Masche strickt. Nur landet die nicht als Masche auf der Nadel, stattdessen wird der Faden am Ende einfach durchgezogen, die Maschen fallen runter, und sind alle Nadeln abgestrickt, könnt ihr die Spitze am Bändchen enger 2015-02-20 23.33.26ziehen. Den restlichen Faden durch das kleine Loch direkt in die Mitte stecken, die Socke auf links drehen und den Faden an der Spitze und den am Bündchen verstechen. Fertig ist eure erste Socke.

Tipp der Sockenkönigin: Wenn ihr übliche Sockenwolle nehmt, ist die in der Regel marmoriert, also in verschiedenen Farben eingefärbt.  Damit die Socken eines Paar möglichst gleich aussehen, könnt ihr nach der ersten Socke nicht einfach mit dem übrigens Faden weiter stricken, sondern müsst erst den sogenannten Rapport abschneiden. Im Klartext: Wickelt so viel Wolle vom Knäuel ab, bis der Farbverlauf dem gleicht, den ihr am Bündchen eures fertigen Socken sehen könnt. Wenn ihr dort mit Socke Nummer zwei anfangt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie sich am Ende sehr ähnlich sehen.
Ich habe mit dieser Methode das Sockenstricken gelernt und bin diesem Hobby seither verfallen. Mich würde jetzt sehr interessieren, ob ihr  sie nachvollziehen könnt und wie ihr Socken strickt. Kann zum Beispiel jemand die Bumerangferse leicht verständlich erklären? Das wäre toll.
Als kleinen Bonus habe ich für euch noch die Größen für Socken in Größe 42: 17  Maschen pro Nadel, Schaft: 22 Zentimeter, 15 Hin- und Rückrunden für die Ferse (anschließend teilen in 11 – 12 -11), 23 bis 24 Zentimeter Fußlänge.
Für drei Monate alte Babys schlagt ihr folgende Maschen an: 9 Maschen pro Nadel, 20 Runden Schaft, 9 Hin- und Rückrunden für die Ferse (teilen in 5 – 8 – 5), vier Runden Maschen zusammenstricken, bis auf allen Nadeln nur noch 9 Maschen liegen, anschließend 24 Runden für den Fuß stricken, dann wie gehabt Spitze schließen.

2 Kommentare zu “Socken stricken – Einsteigeranleitung

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