Malen für die Entspannung

Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie intensiv wir uns als Kinder mit Malbüchern beschäftigen konnten? Ich jedenfalls habe stundenlang ausgemalt. Leider verließ mich jedes Talent, sobald das Motiv nicht mehr vorgezeichnet war. Als Jugendliche habe ich mich noch hin und wieder am Malen nach Zahlen versucht. Aber das freie Zeichen und ich – wir sind irgendwie nie Freunde geworden.

Also habe ich es viele Jahre gelassen. Habe mir Bilder einfach nur angesehen. Aber keinen Versuch mehr unternommen, selbst zu malen. Und auch gestern, als ich im Buchladen meines Vertrauens Stunden verbrachte, war ich eigentlich auf der Suche nach neuen Strick- und Nähbüchern (bin fünfig geworden, dazu in den nächsten Tagen mehr). Gestolpert bin ich dabei aber auch über dieses Buch hier:

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Darin sind 100 Ausmalbilder für Erwachsene. Tatsächlich sind viele so filigran, dass Kinder vermutlich überfordert wären, aber für Erwachsene sind sie damit gerade anspruchsvoll genug, um sich darauf konzentrieren zu müssen. Genau deshalb habe ich das Buch für knapp 10 Euro mitgenommen. (Die Erklärungen habe ich aber überblättert, klang mir zu esoterisch). Leider habe ich nur Filzstifte im Haus, damit geht das mit dem Ausmalen zwar, die dominanten, nuancenlosen Farben werden den Mustern aber nicht gerecht (siehe Artikelbild). Ich muss mir als nächstes also unbedingt Buntstifte kaufen.

Aber schon jetzt glaube ich, dass ich den Kauf nicht bereuen werde. Tatsächlich hat mich das Ausmalen gestern Abend entspannt. Es ist eine Aufgabe, die ich nicht vorantreiben kann, sondern die eben so lange dauert, wie es dauert, bis das letzte Feld farbig ist. Gleichzeitig setzte am Ende ein Gefühl ein, dass mich wirklich an meine Kindheit erinnerte: der Stolz, etwas Schönes geschaffen zu haben. Dieses Gefühl habe ich zwar auch beim Nähen und Stricken, da kommt aber zugleich immer auch etwas nützliches raus.

Muster auszumalen, hat kdagegen einen größeren, verwertbaren Nutzen. Es nützt nur mir und nur in diesem Augenblick. Hinterher ist da nur ein Buch mit bunten Bildern. Man kann es nicht anziehen, nichts darin aufräumen, wegsortieren, aufbewahren. Deshalb hat mich überrascht, dass die Befriedung am Ende trotzdem genauso groß war, wie wenn mir fertige Socken von der Nadel flattern.

Normalerweise fällt es mir sehr schwer, mich auf nur eine Sache zu konzentrieren. Mein Kopf und meine Hände sind immer schon mit etwas anderem beschäftigt. Das Ausmalen hat diesen Kreisel angehalten. Das tut mir gut. Und wer weiß, vielleicht sollten wir uns alle einfach öfter an die Hobbys unserer Kindheit erinnert – und ausprobieren, ob sie uns nicht heute noch ebenso gut tun wie damals. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn ihr mir erzählt, wobei ihr in eurer Kindheit die Zeit vergessen habt. Vielleicht ist das ja eine neue Inspiration für mich.

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