Frühling im Büro

Es ist beinahe Ostern, und ich dachte mir: „Vielleicht hilft ein bisschen frühlingshafte Bastelei gegen den Schneesturm vor meinem Fenster.“ Also habe ich mich heute an ein Projekt gemacht, dass mir durch den Kopf geistert, seit ich vor ein paar Wochen mit einer Kollegin gesprochen habe, die bald umzieht. In der neuen Wohnung lockt ein großes, eigenes Büro mit viel offener Regalfläche. Dort müssen zwangsläufig eine Menge Ordner unterkommen. Was sich in Jahren der Selbstständigkeit halt so ansammelt. Nun ist die Kollegin aber Ästhetin, und die grauen Ordnerrücken beleidigen ihren Sinn für Schönheit. Deshalb fragte sie, ob mir nicht etwas einfiele, um die Ordner hübscher aussehen zu lassen.

Mein erster Gedanke: Ordnerrückenaufkleber, die es in Sechser- oder Achterpackungen gibt. Alle acht Aufkleber zusammen ergeben nebeneinander gestellt ein Motiv. Eine Blumenwiese, ein Aquarium, eine karibische Insel. So was eben. Wäre schön einfach gewesen, war der Kollegin aber zu profan. Außerdem würden teilweise auch die Ordnervorderseiten zu sehen sein. Also habe ich ein bisschen getüftelt und heute einen Ordner mit Stoff bezogen. Weil die Kollegin nicht auch noch mit dem Nähen anfangen wollte, ist das ganze Projekt mit Heißklebepistole und ein bisschen Schmuckband entstanden.

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Weil ich nun keine Lust habe, den Aufwand zu betreiben, nur um meine Steuererklärungen hübscher abzuheften, habe ich mir überlegt, einen neuen Ordner für die handgeschriebenen Briefe anzulegen, die ich seit fast 15 Jahren aufbewahre. Ein bisschen nostalgisch sollte es sein und romantisch. Ich habe einen uralten Stoff mit Blütenmuster gewählt. Keine Ahnung, was das für ein Stoff ist. Fühlt sich wie eine Mischung aus Chiffon und Crepe an. Davon habe ich hier meterweise rumliegen. Um daraus ein Kleidungsstück oder eine Tasche zu machen, ist er mir zu altbacken, aber für den Ordner war er perfekt:

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Ich habe ihn zugeschnitten und mit der Heißklebepistole mittig zunächst den Ordnerrücken festgeklebt.

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Im Gegensatz zum Alleskleber hat die Heißklebepistole ein paar enorme Vorteile:

  1. Der Kleber trocknet schnell und ist sehr dickflüssig. Er läuft also nicht überall hin und versaut euch den Tisch.
  2. Der Kleber macht weniger hässliche Kleberflecken auf dem Stoff.
  3. Ist er einmal trocken, hält er bombenfest.

Aber er hat auch ein paar Nachteile. Allen voran das, was ich eben als ersten Vorteil definiert habe: Er trocknet schnell. Zu schnell, um den Stoff auf die Deckel des Ordners zu kleben, wie ich bemerkt habe. Bis ich den ganzen Deckel mit Kleber beschichtet hatte, war er am Anfang schon knochentrocken, so dass der Stoff natürlich nicht mehr hielt. Entweder benutzt ihr also für die Flächen doch Alleskleber und nehmt die Matzerei in Kauf, oder ihr klebt den Stoff Zentimeter für Zentimeter an, und setzt mit der Pistole nach und nach immer neue Klebepunkte. Den Stoff schön straff ziehen und warten, bis der Kleber trocken ist, sonst habt ihr ihn beim nächsten Arbeitsschritt auf dem Tisch.

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Jetzt den Ordner aufklappen und den Stoff so zuschneiden, dass er nach innen umgeklappt werden kann. Ja, zugegeben, richtig schön geht anders. Aber da es ohne Naht gehen musste, und ich keine Zickzack-Schere habe, musste ich mich halt mit krummem Rand anfreunden. Den habe ich rundum festgeklebt und schon war die Basis fertig.

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Die Vorderseite des Ordners habe ich mit einem Satinband umwickelt, die Enden festgeklebt und mit Streudeko – in dem Fall einer Blüte und einem Marienkäfer – dekoriert. Das Ganze hätte ich mit dem Rücken auch gemacht, denn die Bänder verdecken im Inneren des Ordners die krumme Stoffkante, allerdings waren bei mir an diesem Punkt sowohl der Alleskleber als auch der letzte Stick für die Heißklebepistole aufgebraucht. Es musste also so gehen.

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Wer viel Zeit und Lust hat, kann vor dem Kleben noch weißen Stoff auf den bunten Stoff nähen – und zwar genau da, wo der Rücken des Ordners aufgeklebt wird. Mit einem Zickzackrand und beschriftet mit hübschen Textilstiften wird das dann ein richtig stilechtes Etikett. Ich war da pragmatischer und hab einfach ein Stück weiße Klebefolie benutzt. Zurecht schneiden, aufkleben, glatt streichen und mit einem Stift beschriften, der farblich zum Stoff passt, verzieren oder auch nicht (ich hab zur Zierde versucht, das Alphabet aufzumalen, ohne den Stift zwischen den einzelnen Buchstaben abzusetzen. Der Erfolg ist mäßig, aber ihr wisst, was ich mit „verzieren“ meine ;-)).

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Fertig:

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Insgesamt hat der Spaß eine gute Stunde gedauert. Im Ergebnis stehen ein hübscher Ordner, ein verbrannter Daumen und Kleberreste auf den Fingernägeln, die wohl nie wieder abgehen. Aber immerhin: Das mit der frühlingshaften Anmutung hat zumindest nicht geschadet. Gerade hat es aufgehört zu schneien!

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