Buchumschlag nähen – lernt aus meinen Fehlern

Ihr Lieben,

ich liebe Mappen und Kladden und Notizbücher aller Art. Ich bin verrückt nach schönem Papier und außergewöhnlichem Design. Auch wenn es um meine Arbeit geht. Aber: Als Selbststände besorge ich meine Arbeitsmaterialien selbst und muss sie eben auch selbst bezahlen. Und richtig schöne Notizbücher sind in aller Regel auch richtig schön teuer. Deshalb kaufe ich meist doch die günstigsten Kladden. Die sind auch erwiesenermaßen arbeitsalltagstauglich: robust, vielseitig und die lackierte Pappaußenseite ist abwischbar. Nur eines sind sie auch bei aller Fantasie nicht: schön.

Also entschied ich vor kurzem für mein Arbeitsbuch eine Hülle zu nähen, das immer auf meinem Schreibtisch liegt, weil dort alle To-Do- und Themenlisten, Interviewmitschriften und Rechercheprotokolle niedergeschrieben sind. Ich wollte einfach ein Buch, das günstig und praktisch und schön ist. Und ich hatte traumhaften seidenähnlichen Stoff hier rumliegen, für den ich seit Jahren eine Verwendung suche. Er ist leuchtend türkis mit silbernen Ornamente, ein bisschen orientalisch, sehr schön. Und ihn für dieses Projekt zu nehmen, war mein erster Fehler. Aber dazu später mehr.

Zunächst einmal machte ich mir ein einfaches Muster: Ein Rechteck in 63 x 30 cm plus zwei Zentimeter Nahtzugabe. Die ich nicht eingezeichnet, sondern nur Pi mal Daumen dazu gegeben habe. Mein zweiter Fehler.

Unbenannt-1

Weil der Stoff so ungeheuer dünn und zart ist, ich aber gern einen leichter Polstereffekt wollte, beschloss ich, ihn doppelt zu nehmen und zwischen den beiden Lagen mit einer sehr dünnen Schicht Bastelwatte auszulegen. Mein dritter Fehler.

Ich nähte also zunächst die beiden Rechtecke auf links zusammen, wendete, stopfte sie leicht aus und schloss die Wendeöffnung. Die beiden 10-Zentimeter breiten Streifen sollten nun die Laschen werden, in die später die Buchdeckel gesteckt würden. Also schlug ich sie um und steppte sie fest. Und probierte das Buch in den neuen Umschlag zu stecken.

Das ging auch, haarscharf. Aber schön war leider immer noch etwas anderes, was im Wesentlichen nicht an der Idee, sondern meinen drei Fehlern lag:

  1. Der Stoff: Er ist wunderschön, ja. Aber: Er ist rutschig wie die Sau und lässt sich deshalb selbst engmaschig abgesteckt nur schwer akkurat verarbeiten. Und er riffelt sich rasend schnell zusammen, wenn die Fadenspannung der Maschine auch nur minimal daneben liegt.
  2. Die Nahtzugabe: Wieder einmal ist bewiesen, dass ich wirklich überhaupt kein Augenmaß habe. Die Nahtzugabe, die nach meinem Dafürhalten so etwa 2 Zentimeter hätten seien müssen, waren mindestens 2,5 cm. Das wäre an sich nicht so irre tragisch – wenn ich nicht einen Stoff gewählt hatte, der sich keinen Milimeter dehnt. Ich konnte das Buch zwar in den Umschlag pressen, aber Nähte und Stoff waren zum Zerreißen gespant und damit lagen auch die Silberornamente im Stoff nicht mehr dekorativ, sondern gespannt und verzogen.
  3. Die Füllung: Die Idee finde ich immer noch gut, denn durch die leichte Füllung fühlte sich das Buch ein bisschen an wie ein uraltes Märchenbuch. Aber auch hier passten Idee und Stoff nicht zusammen. Weil der so dünn und unter so starker Spannung war, traten nach ein paar Tagen überall durch das Gewebe dünne Fäden der Bastelwatte aus. Es sah aus, als würde mein Buch haaren. Ich zupfte ständige irgendwo Fäden ab. Irgendwann war ich dabei so rabiat, dass ich ein großes Knäuel Bastelwatte erwischte – und damit prompt ein kleines Loch in den schönen Orientstoff riss. Damit war das Schicksal des Umschlags übrigens besiegelt. So sieht er nur noch in der Erinnerung aus:

2015-08-16 00.50.22

Aufgegeben habe ich trotzdem noch nicht. Ich will immer noch einen schönen Umschlag für das Buch selbst machen. Und ich will es auch immer noch polstern. Aber ich werde dazu eher einen schönen, robusten Baumwollstoff nehmen. Mal sehen, vielleicht ist der schwarze mit den pinkfarbenen Polka Dots, den ich vor einiger Zeit bei meiner Mutter abstauben konnte, ja genau richtig dafür.

Euch wünsche ich jedenfalls viel Spaß beim Umschläge nähen – da ihr meine Fehler ja nicht mehr machen werdet, kann eigentlich nichts mehr schief gehen!

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