Zentangle – der Widerspruch in sich

Ich wette, ihr habt das alle längst ausprobiert und ich hinke mal wieder ewig hinterher, denn soooo neu ist Zentangle ja nun auch nicht. Schon gar nicht, wenn man sich nur die Methode und nicht den schnieken Namen ansieht – dann habe ich das nämlich schon als Kind oft und gern gemacht.

Jetzt heißt das aber eben Zentangle und ist eine Marke, eingeführt von den Amerikanern Rick Roberts und Maria Thomas. Es gibt inzwischen unzählige Bücher und Internetseiten zum Thema, Blogs stellen regelmäßig neue Muster vor oder veranstalten Zentangle-Wettbewerbe. Aber eigentlich kennen wir die Methode, wie gesagt, längst: aus der Schulzeit oder dem Studium zum Beispiel. Viele Menschen fangen an, zu zeichnen, wenn Ihnen langweilig ist. Zentangle funktioniert so ähnlich, allerdings mit einem großen Unterschied: Beim Zentangle soll man sich ausschließlich auf das Zeichnen konzentrieren und so in einen fast meditativen Zustand gelangen. Also keine Nebenbei-Beschäftigung – und das ist tatsächlich auch schon der schwierigste Teil der Übung.

Was ihr braucht:

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  • Zentangle-Blätter (Die Originale, sogenannte Zentangle-Kacheln, gibt es im Buch- und Bastelladen. Sie bestehen aus festem, sehr hochwertigem Papier – und sind ziemlich teuer. Doch für den Anfang tut es auch ein Blatt von einem ganz normalen Zettelblock. Die sind nämlich mit 9 x 9 Zentimetern genauso groß wie die Zentangle-Kacheln.)
  • Weicher Bleistift
  • Schwarzer Fineliner oder Tintenroller (Es gibt auch richtige Zentangle-Stifte, aber für den Anfang reichen die deutlich günstigeren Exemplare.)

 

Wie es geht:

Die wichtigste Regel beim Zentangle lautet: Es gibt keine Fehler. Deshalb gehört ein Radiergummi auch nicht zum Handwerkszeug. Was zunächst als falscher Strich daher komme, könne am Ende ein neues, großartiges Muster ergeben, so die Philosophie. Deshalb richtet sich diese Technik auch nicht explizit an Künstler, sondern geht davon aus, dass absolut jeder wundervolle kleine Kunstwerke schaffen kann. Gefällt mir, denn mit dem Zeichnen habe ich es ja nun nicht so, wie man hier wunderbar sehen kann.

Zunächst einmal zeichne ich dafür in die vier Ecken meines Blattes mit dem Bleistift vier Punkte und verbinden diese dann, um den äußeren Rahmen meines Tangles zu gestalten. Dabei müssen die Verbindungslinien nicht gerade sein, sie können sich wellen und biegen, wie es mir gefällt, sagen die Zentangle-Seiten im Web und die Bücher.

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Anschließend unterteile ich die innere Tangle-Fläche in mehrere kleine Flächen – einfach frei Schnauze.

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Jetzt geht es mit dem Fineline weiter – Gott sei Dank, ich hasse es, mit dem Bleistift zu arbeiten. Ich soll nun jede der kleinen Flächen mit einem eigenen Muster füllen.

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Und hier stoße ich an einen Widerspruch, der sich bis heute nicht aufgelöst hat: Will ich der Zentangle-Philosophie bis ins Details folgen, zeichne ich jetzt einfach drauflos, ohne nachzudenken oder die Muster zu planen. So wie früher. Super. Aber warum gibt es dann in jedem Buch und auf jeder Website feste Zentangle-Muster? Es gibt sogar reine Musterbücher, aus denen man bestimmte Muster erlernen kann. Wenn ich aber erst nachsehen soll, um auch das richtige Muster zu finden, ist doch die ganze Idee mit der meditativen, intuitiven Kunst, die jeder kann, für den Eimer oder habe ich da einfach einen Denkfehler?

Am Schluss soll ich meine Zentangle-Kachel verschönern, indem ich einzelne Muster mit dem Bleistift schattiere.

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Um die Bleistift-Striche zu verwischen, die Schatten also weicher erscheinen zu lassen, könnte ich einen sogenannten Wischer kaufen. Ich kann aber auch einfach meine Fingerkuppen benutzen und vorsichtig über die Fläche reiben. Fertig ist meine erste Zentangle-Kachel.

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Die Idee finde ich toll und die Muster, die so entstehen, auch. Aber das Kommerzialisierte, das mir vorgaukelte, ich könnte nur richtig zentangeln, wenn ich die vielen Muster beherrschte, geht mir auf den Geist. Da bleibe ich lieber bei meinem meditativen Kritzeln.

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