Malen lernen, Teil I: Die Vorarbeiten

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Marlies Eggers organisierte und betreute die Blogger- und Pressereise zu Kreativ- und Wellnessthemen auf Langeoog und unterstützte damit auch die Entstehung dieses Posts.

„Jeder kann malen!“, sagt Marlies Eggers vom Tourismusservice Langeoog, und wird dabei sehr energisch, als wir in der Bar des Bio-Hotel „Strandeck“ auf der Nordseeinsel zusammensitzen. Tag zwei der Wellness- und Kreativpressereise. Sechs Teilnehmer, zum größten Teil Blogger, aber auch Journalisten. Wir waren mit Pilates in den Tag gestartet und für mich war das der einfache Teil. Jedenfalls im Vergleich zu dem, was jetzt folgt: malen.

Meine wenig motivierenden Erfahrungen im Hinterkopf war ich eine von denen, die als Erstes „Ich kann nicht malen!“ rief, als die Runde sich zur Theorie zusammenfand. Nun also will Marlies Eggers mir das Gegenteil beweisen. Und auch, wenn der Weg hart und steinig wird, sei so viel verraten: Sie hat recht. Ich kann wirklich malen – jedenfalls so ein bisschen. Aber dazu später.

Wer malen will, muss lesen lernen

Meine wichtigste Lektion auf diesem Weg: Wer malen will, muss lesen lernen.

Bilder lesen.

Dazu erklärt Marlies Eggers kurz die theoretischen Grundlagen für ein spannendes Bild (und dabei ist egal, ob es sich um ein Foto oder ein Gemälde handelt):

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  • Ein gutes Bild hat einen Vorder-, einen Mittel- und einen Hintergrund. Objekte im Vordergrund sind detailliert zu sehen. Je weiter weg etwas ist, desto verschwommener, ungenauer kann es dargestellt werden.
  • Die Perspektive kann für Spannung im Bild entscheidend sein. Gehen Sie in die Hocke und stellen Sie sich auf Zehenspitzen, um zu entscheiden, welche Perspektive Ihnen besser gefällt, worauf Sie mehr Wert legen und welches Gefühl Sie erzeugen wollen. Von unten betrachtet, sind Details im Vordergrund meist sehr dominant. Von oben betrachtet, bekommt ein Bild mehr Weite.

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  • Der Goldene Schnitt ist eine Regel zur Bildkomposition, die – sehr stark vereinfacht – erklärt, dass ein Bild mehr Dynamik bekommt, wenn die Hauptmotive nicht mittig platziert werden.

Motivsuche und Bildkomposition

Ausgerüstet mit diesem Wissen, Smartphone, Kamera und einer Mütze (Windstärke sieben, auf Fahrrädern, ganz oben auf dem Deich. Muss ich erwähnen, dass ich peinlicherweise irgendwann doch absteigen und schieben musste?) zogen wir also los, um unser Motiv für das Gemälde zu suchen, das auf dieser Pressereise noch entstehen sollte (und ich war noch lange nicht überzeugt, dass das klappen würde).

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Am der/die/das Flinthörn – irgendwann muss ich noch googeln, woher der Name kommt – boten sich davon unendlich viele. Hier ist die Natur schon wie gemalt. Hohe, fast weiße Sanddünen, dahinter die stahlgraue Nordsee, die in diesem Moment das Watt nur noch hauchdünn überspülte.

Die Dünen zu erklettern ist nur auf den ausgewiesenen Wegen erlaubt – kraxelt man direkt in die Dünen, reagieren die Insulaner zu Recht ziemlich empfindlich. Nicht nur, dass die Dünen existenzieller Schutz gegen Hochwasser und Springfluten sind, die sonst die ganze Insel bedrohen könnten, sie sind auch ein einzigartiger Lebensraum und den schützen die Insulaner mit Leidenschaft.

Das ist mir übrigens auf allen ostfriesischen Inseln aufgefallen. Nachhaltig und im Einklang mit der Natur zu leben, sind hier keine hohlen Floskeln, sondern Alltag. Mich hat das beeindruckt, aber vielleicht ist es auch ein Automatismus, wenn die eigene Existenz so sehr abhängt von den Launen der Natur wie auf den Inseln, die Ebbe und Flut beuteln.

Am Ende fiel die Auswahl unter zahlreichen Motiven jedenfalls schwer und ich entschied schließlich nach drei Kriterien:

  1. Hat das Motiv genug Spannung, ist es NICHT langweilig?
  2. Hat es möglichst wenig Details (Ich befürchtete, das beim Malen nicht nur nicht hinzubekommen, sondern auch schlicht die Zeit dafür nicht zu haben)?
  3. Ist es für einen Laien am Pinsel umsetzbar (Die Frage musste Marlies beantworten und sie hatte deutlich mehr Vertrauen in mich als ich selbst)?

Im Malatelier, das auf Langeoog in der die „Spöölstuv“, einer Art Indoor-Spielplatz und Ferientreff für Kinder, untergebracht ist, lernten wir dann noch mal ganz neu lesen. Bilder lesen. Hochspannend! Ob ich das Malen weiterverfolge, weiß ich noch nicht, aber diesen Teil will ich auf jeden Fall weiterverfolgen, weil es einem einen ganz neuen Blick auf die eigene Umgebung öffnet.

„Ihr unterteilt das Bild in Linien und Formen, in Hell und Dunkel“, erklärt Marlies dazu. Tatsächlich hilft es, dazu das Foto mit etwas Abstand und leicht zusammengekniffenen Augen zu betrachten. Und dann werden diese grafischen Elemente, auf die man reduziert, mit Bleistift und Zeichenkohle als Skizze angelegt (entweder erstmal auf Papier oder gleich auf der Leinwand) und zwar in dieser Reihenfolge:

  1. Horizontlinie. Sie ist der Ankerpunkt im Bild, an dem wir alle anderen Elemente ausrichten. Am Foto wird Pi mal Daumen „ausgemessen“, wo im Motiv sie verlaufen muss – in der Bildmitte, im oberen oder unteren Drittel?
  2. Als nächstes folgte in unserem Fall die fast parallel laufende Meereslinie.
  3. Zum Schluss die Kreise, Drei-, Vier- und Vielecke, in die wir das Bild zerlegt hatten. Es geht bei der Skizze nicht um Details, sondern wirklich nur darum, die Fläche, die zum Malen zur Verfügung steht, grob einzuteilen, um später eine Orientierung zu haben. Für die richtigen Proportion nehmen Sie die Horizontlinie zur Hilfe und schauen Sie, wo das zu skizzierende Objekte im Verhältnis zur Horizontlinie beginnt und endet, wie breit, lang oder schmal es im Vergleich ist und so weiter.
  4. Nun schraffieren Sie Flächen, die dunkel werden sollen, mit der Kohle. Aber VORSICHT: eine ganz sanfte Schraffur reicht völlig aus. Ich habe im künstlerischen Überschwang ein ganzes Kohlestück aufgebraucht, um meine dunklen Flächen zu markieren. Das einzige Ergebnis: Die helle Grundierung aus Acrylfarbe, die ich später aufgebracht habe, konnte die Kohle nicht richtig abdecken und statt weißem Sand hatte ich schmutzig-grauen Atommüll auf meinem „Bild“.

Sind diese Vorarbeiten abgeschlossen, geht es ans Eingemachte, an die Arbeit mit Farben. Davon gibt es mehr in „Malen lernen, Teil II“. Spoiler: Wer wenig Frustrationstoleranz hat, sollte diesen Teil auslassen. Oder zumindest gleich einen Profi an seiner Seite haben, der Bild wie Laune retten kann. So wie in meinem Fall.

Malkurse bei Marlies Eggers kann man auf Langeoog übrigens auch als ganz normaler Gast mehrmals pro Woche buchen. Sie dauern drei Stunden und bisher hat jeder in dieser Zeit ein fertiges Bild mit nach Hause genommen.

Und wer noch nicht weiß, wo er übernachten soll, wenn er wie ich malen lernen will, findet bei Monika von den Entdecker-(G)reisen vielleicht eine Inspiration. Sie hat auch mitgemalt, sich hier aber erstmal ausführlich mit unserem Hotel beschäftigt und liefert für alle ganz Neugierigen auch noch mal einen Überblick über die ganze Presse- und Bloggerreise. Und wer mehr über Langeoog wissen will, kann ja mal bei Milos von der Trendlupe vorbei schauen.

4 Kommentare zu “Malen lernen, Teil I: Die Vorarbeiten

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