Malen lernen III: Bilder retten

Wer malen lernen will, aber aus Erfahrung weiß, dass er sich mit Pinsel, Farbe und Perspektive schwer tut, sollte das machen wie ich und an einem Sehnsuchtsort einen Kurs buchen. War ich bei den Vorarbeiten für mein Gemälde noch Feuer und Flamme, endete der erste Maltag meiner Wellness- und Kreativpressereise auf Langeoog mit Frust und schlechter Laune. Aber wenn man einschläft mit dem Rauschen des Windes über der Nordsee im Ohr und aufwacht von den Schreien der Möwen und dem Duft nach Salz und Frische, dann hält sich schlechte Laune nicht lange. Und Frust auch nicht.

Am zweiten Maltag startete ich also im Malatelier von Langeoog mit dem festen Vorsatz, aus der beklecksten Leinwand doch noch ein passables Bild zu machen. Nur wie angehen?

Die rettende Idee hatte Marlies Eggers vom Tourismusservice Langeoog, die die Bloggerreise organisierte und als Künstlerin und Kursleiterin einen tollen Job machte: Statt mich weiter mit der Acrylfarbe abzumühen beim Versuch, die dicke Kohleschicht meiner Skizze zu überpinseln, sollte ich Strukturpaste benutzen.

Tipp 1: Wundermittel Strukturpaste

2017-05-03 16.34.36Was soll ich sagen? Ein tolles Zeug! Mit großzügigen Strichen aus dem Handgelenk putzte ich die Paste auf die Leinwand – dort, wo Strand entstehen sollte – und bekam so nicht nur endlich eine helle Grundierung, sondern gleichzeitig auch noch eine Struktur, die wirklich an Sand erinnert. Strukturpaste (jedenfalls die, die ich hier verwendet habe) ist weiß, aber man kann sie einfach mit der richtigen Acrylfarbe mischen. So entstand bei mir also Sand in verschiedenen Schattierungen.

Tipp 2: Malläppchen statt Pinsel

DSCN8359Mit dem Pinsel hatte ich die Grundierung aufgetragen, was bekanntermaßen zunächst in einem Desaster endete. Jetzt sollte es also anders weitergehen. Mit dem Mal-Lappen. Ich hatte bis zu diesem Malkurs immer gedacht, diese Dinger seien nur dafür da, das Wasser aus dem Pinsel zu drücken. Dass man damit selbst malen kann, war mir neu. Geht aber prima. Einen Zipfel des Lappens um den Zeigefinger wickeln, damit Farbe aufnehmen und auf die Leinwand tupfen oder reiben. Auf diese Weise kann man auch verschiedene Farben verblenden, Ränder konturieren (wie an der Unterseite meines Dünengrases), Übergänge weicher gestalten oder Akzente setzen. Braucht ein bisschen Übung – vor allem, um ein Gefühl für die richtige Farbmenge zu bekommen. Aber hat man das einmal raus, arbeitet es sich mit dem Lappen viel einfacher als mit dem Pinsel. Im Handel kann man Mal-Lappen direkt kaufen. Aber welchen Lappen Sie auch benutzen, wichtig ist vor allem, dass er nicht fuselt und nicht abfärbt.

Tipp 3: Stahlwolle und Topfkratzer für Effekt

DSCN8362Dank Lappen und Strukturpaste war der Strand samt Dünen also gerettet. Auch das Meer und die seltsame Sandbank nahmen so Kontur an. Blieb noch die Sache mit dem Dünengras. Die Aussicht, jeden Halm einzeln mit einem Pinsel zu ziehen, war nicht sehr verlockend. Aber auch dafür hatte Marlies Eggers einen Geheimtipp: Stahlwolle. Die Dinger, die man benutzt, um angebackene Töpfe wieder richtig sauber zu schrubben, hatte Marlies Eggers in kleine, handliche Stücke zerschnitten. Mit dem Pinsel Farbe in der richtigen Dünengrasmischung auf die Leinwand tupfen und dann mit dem trocknen Stahlwolle-Stück schwungvoll nach oben ziehen. Dauert keine drei Sekunden und fertig ist ein täuschend echt aussehendes Büschel Dünengras. Dichtere Vegetation wie Hecken entstehen, wenn man die grobe Seite eines Topfkratzer-Schwamms benutzt, um damit Farbe aufzutupfen.

Tipp 4: Gischt malen wie Kaulquappen

2017-05-03 16.34.36Der Lauf des zweiten Tages machte mich ein bisschen größenwahnsinnig. Ich wollte nicht nur ein Meer. Ich wollte ein Meer mit Gischt und Schaumkronen auf den Wellen. Das allerdings geht nur mit einem Pinsel und mit denen stand ich ja auf Kriegsfuß. Aber auch dafür hatte Marlies Eggers eine Lösung. „Gischt malt man wie kleine, weiße Kaulquappen“, sagte sie und zeigte mir, wie das geht: ein winziges Oval, daran ein kleines, geschwungenes Schwänzchen. Wirkt eigenartig, aber tatsächlich: Wenn das fertig ist und man sich die Sache mit etwas Abstand ansieht, spielt Gischt auf meinem Meer.

Tipp 5: Weiß kann fast alles retten

Das Bild war fast fertig und hatte tatsächlich zumindest ein bisschen Ähnlichkeit mit meiner Fotovorlage, auch wenn ich mir eine großzügige künstlerische Freiheit zugestanden hatte. Aber aus der Ferne betrachtet (übrigens auch ein Tipp meiner persönlichen Malkönigin: Das Bild im Laufe des Prozesses immer mal wieder aufstellen und aus der Ferne betrachten, um zu sehen, wo es noch hapert) stimmte etwas mit meiner Düne nicht. Ich hatte den Dünengrasbüscheln am Ansatz braune Akzente verpasst, die jetzt aber viel zu dominant und dadurch unnatürlich wirkten. Aber: Weiß rettet alles. Einfach ein bisschen Weiß mit dem Mallappen aufnehmen und vorsichtig über die benannten Stellen reiben. Das mildert das Braun und softet die Übergänge. Gleichzeitig kann Weiß Akzente setzen – zum Beispiel Reflektionen im Wasser.

Tipp 6: Vorne und hinten, groß und klein

Am Ende des zweiten Maltages unserer Bloggerreise war also tatsächlich ein Bild entstanden. Eines, das ich selbst, ganz und gar eigenhändig gemalt hatte. Ich bin immer noch ein bisschen fassungslos, dass das tatsächlich möglich war. Ich kann malen! Und ich brauchte eine Weile, aber letztlich habe ich auch noch den letzten Fehler gefunden. Irgendwas stimmte an der Perspektive nicht, die Dünen im Vorder- und die im Mittelgrund wirkten identisch, dabei sollte doch eine weiter hinten stehen als die andere. Ich kam lange nicht dahinter, warum sie das nicht tat. Ich hatte die Kontur schattiert, den Rand mit Dünengras akzentuiert und trotzdem wirkte es wie ein Brei. Auf der Heimfahrt von Langeoog schließlich war da der Geistesblitz: Wenn auf einem zweidimensionalen Bild ein dreidimensionaler Effekt entstehen soll, muss, was weiter hinten liegt, auf dem Bild weiter oben beginnen und kleiner sein als alles davor. Bei mir war das Dünengras aber auf allen Dünen gleich groß. Das muss ich in den nächsten Tagen noch korrigieren. Dann dürfte mein erstes Bild wirklich fertig sein. Und dann: Nehme ich gern Gebote entgegen 😉.

2017-05-03 a

Malkurse bei Marlies Eggers kann man auf Langeoog übrigens auch als ganz normaler Gast mehrmals pro Woche buchen. Sie dauern drei Stunden und bisher hat jeder in dieser Zeit ein fertiges Bild mit nach Hause genommen.

Und wer noch nicht weiß, wo er übernachten soll, wenn er wie ich malen lernen will, findet bei Monika von den Entdecker-(G)reisen vielleicht eine Inspiration. Sie hat auch mitgemalt, sich hier aber erstmal ausführlich mit unserem Hotel beschäftigt und liefert für alle ganz Neugierigen auch noch mal einen Überblick über die ganze Presse- und Bloggerreise. Und wer mehr über Langeoog wissen will, kann ja mal bei Milos von der Trendlupe vorbei schauen.

3 Kommentare zu “Malen lernen III: Bilder retten

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