Bullet Journal: Zeitfresser oder Lieblingstool?

Um die Antwort auf die Überschrift vorweg zu nehmen: eindeutig beides! Jedenfalls für mich. Aber der Reihe nach: Mit dem Bullet Journal ging es mir wie mit WhatsApp – ich schlich monatelang drum herum, verstand aber den Hype nicht so richtig und war sicher, dass ich das nicht brauche. Immerhin: Ich hatte eine SMS-Flat, was soll ich da mit WA? Und jetzt: Ich habe einen Planer (digital UND in Papierform) und jede Menge Notizbücher (einfach nur, weil ich nicht „Nein“ sagen kann, wenn sie so schön sind – ganz egal, ob das eine (oder die drei), das ich gerade bearbeite, voll ist oder nicht). Warum also ein Bullet Journal?

Was ist ein Bullet Journal und was brauche ich dafür?

Weil dieser Post schon lang genug wird, spare ich mir an dieser Stelle die Einführung. Nur so viel: Ein Bullet Journal ist ein Kalender, ein Timer, eine ToDo-Liste, ein Gewohnheitstracker, ein schlechtes Gewissen, ein Motivator, ein Kummerkasten, ein Erinnerer, ein Erinnerungensammler, ein Tagebuch – alles auf einmal und zusätzlich alles, was ihr noch draus macht. Deshalb finde ich das Konzept (inzwischen) so genial: Ich hatte bisher nämlich für jede dieser Aufgabe ein (oder mehrere) eigene Tools.

Wer noch nicht weiß, was genau ein Bullet Journal ist (und auch für alle, die bisher ebenfalls glaubten, dass sie das nicht bräuchten), habe ich zwei Tipps: Mein Einstieg und inzwischen meine Bujo-Bibel ist das Buch „Gestalte dein Journal mit der Bullet-Methode“ von Jasmin Arensmeier. Wer erstmal einen Einstieg ins Thema UND Inspiration braucht, hat damit eine gute Investition getätigt. Wer lieber digital stöbert, sich aber bei Pinterest erschlagen fühlt, wenn er dort nach „Bullet Journal“ oder „Bujo“ (die Abkürzung) sucht, findet bei punktkariert die perfekte Alternative. Lea und Theresa bloggen hier über nichts anderes als über das Journaling und neben Tipps zum Aufbau und der Gestaltung eines Bujo findet ihr auch wirklich hilfreiche Tests und Empfehlung zum Material.

Was mich zu meinem ersten Punkt bringt: Aus irgendeinem Grund ist die Bujosphäre hin und weg von den Notizbüchern von Leuchtturm1917. Ja, die Dinger haben zwei unschlagbare Vorteile gegenüber vergleichbaren Notizbüchern: Die Seiten sind schon paginiert, also durchnummeriert und ganz vorn gibt es ein vorgedrucktes Inhaltsverzeichnis. Das ist tatsächlich ein Knüller, denn Seiten zu nummerieren ist eine wirklich stupide Aufgabe und wenn man erst 20 Seiten später merkt, dass man die 54 zweimal geschrieben hat, ist es auch eine echt nervige. ABER: Sollte ich das Experiment Bujo durchhalten und also irgendwann ein neues Notizbuch brauchen (als Anfänger habe ich den Empfehlungen natürlich geglaubt und mir ein (teures!) Leuchtturm gekauft), wird es sicher keines dieser Marke mehr sein.

Warum? Weil die Seiten so dünn sind, dass man jeden Strich auf der nachfolgenden durchscheinen sieht. Meinen Lieblingsstift, mit dem ich auch Tagebuch schreibe und all meine Mitschriften im Büro mache, kann ich für das Journaling deshalb nicht beziehungsweise nur ab und an für die Überschriften benutzen. Stattdessen schreibe ich jetzt mit einem Stift, dessen Spitze nur 0,05 Millimeter fein ist. Sowas kriegt man nur im Künstlerbedarf und dafür ist er auch gedacht, aber er scheint als einziger so gut wie nicht durch (und zeichnet auch bei meiner Minischrift die Buchstaben hübsch getrennt).

Meine Material-Empfehlungen für ein Bullet Journal:

Für alle, die es gern edel und außergewöhnlich mögen: Paperblanks! Seit Jahren führe ich mein Tagebuch in Paperblanks-Notizbüchern. Wunderbares, glattes, dickes Papier und zauberschöne Einbände. Aber: leider weder nummerierte Seiten, noch ein vorgedruckter Index und bisher auch kein Punktraster und das finde ich für ein Bujo wirklich unersetzlich. Wer aber auch mit Blanko-Seiten oder liniert arbeiten kann, macht hier nichts falsch (auch wenn der Kauf an der Kasse ein kleines bisschen weh tut!)

Für alle, die vor allem auf den Preis achten: Galeria Kaufhof hat eine eigene Serie an Notizbüchern, die für den Preis (ich glaube, eins kostet knapp 8 Euro) verblüffend gute Qualität bieten. Die Seiten sind dick genug, dass auch Rollerpens nicht durchscheinen. Sie sind glatt und haben eine schöne Farbe. Der Einband ist ein farbiges Hardcover. Nicht halb so schön wie ein Paperblanks, aber allemal genauso gut wie ein Leuchtturm. Einziges Manko: Keine nummerierten Seiten und kein vorgedruckter Index.

Als ich angefangen habe, mein Bujo anzulegen, habe ich es – wie immer – ein klitzekleines bisschen übertrieben (und dann wird es wirklich zum Zeitfresser). Bei mir sah das nämlich so aus:

Nötig ist das aber nicht. Im Ursprung ist das Bullet Journal etwas, dass euch helfen soll, Dinge schnell und effizient auf die Reihe zu bekommen. Meine Gestaltungseskapaden sind da eher zusätzliche Zen-Übungen, die aber viel Spaß machen, mir helfen zu entspannen und außerdem dafür sorgen, dass ich mein Bujo sehr gern (und damit hoffentlich regelmäßig) in die Hand nehme. Aber um das Ganze einfach mal auszuprobieren, braucht ihr nur:

  • ein Notizbuch (A5 oder größer – es sei denn, ihr schreibt noch kleiner als ich)
  • einen Stift, mit dem ihr gut und gern schreibt und der möglichst nicht so stark durchscheint (es sei denn, das stört euch nicht so sehr wie mich).

Bei mir kamen dazu:

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Fineliner in 12 Farben, radierbare Fasermaler in sechs Farben, Pastell-Textmarke (Danke, Jasmin Arensmeier, für den Tipp. Ich LIEBE diese Dinger!), (Aquarell)Buntstifte in acht Farben, drei verschiedene schwarze Stifte zum Schreiben, Lackmaler in zwei Farben, vier Schablonen für alles mögliche und ein paar Stempel, die ich bisher aber noch nicht benutzt habe, weil ich fürchte, dass ich die endgültig auch zehn Seiten weiter hinten noch sehen werde. Aber wie gesagt: Man muss es ja nicht immer gleich so übertreiben wie ich.

Und wie macht man nun ein Bullet Journal?

Ok, das war eine laaaaaaange Vorrede – ich versuche mich bei den nächsten Posts wieder kürzer zu fassen ;-). Jetzt also zur eigentlichen Frage: Wie legt man nun ein Bullet Journal an? Meine Antwort (aber das ist wirklich eine sehr persönliche Empfehlung): Erstmal gar nicht.

Wenn ihr euch durch die Linkempfehlung oder Bücher lest, findet ihr alle möglichen Ratschläge, wie ein Bullet Journal aufgebaut sein soll. Aber das Schöne an dem Konzept ist ja, dass es ein perfekt auf euch und nur auf euer Leben und eure Ansprüche zugeschnittenes Hilfsmittel sein soll. Das heißt: Was andere da gestalten, taugt für euch vielleicht gar nicht. Das zu entscheiden, dauert meiner Erfahrung nach aber eine Weile.

Ich musste auf mein Notizbuch ein paar Tage warten und das war im Nachgang ein Glück. In dieser Zeit habe ich in einem anderen, alten Buch Listen angelegt davon, was in mein Bullet Journal aufgenommen werden soll, in welcher Reihenfolge und in welcher Form. Diese Listen habe ich etliche Male umgeworfen, bis ich – als mein richtiges Notizbuch endlich da war – eine Methode gefunden hatte, die für mich (zumindest für den Anfang) funktionierte. Stellt euch also im ersten Schritt ein paar dieser Fragen:

Brauche ich das Bujo als Kalender?

Überlegt euch, wie detailliert eure Planung im Bujo sein soll. Wer täglich viele Termine hat, braucht sicher eine Tagesplanung. Wer nur ein paar Termine hat, kommt vielleicht mit einer wöchentlichen oder sogar monatlichen Kalenderübersicht aus. Und die Jahresübersicht ganz am Anfang gibt es ja auch noch.

Wie will ich meine Aufgaben (To Do-Listen) verwalten?

Ich notiere alle einmal in der Monatsübersicht – die Liste ist laaaaang (wenn sie denn ausgefüllt ist), aber ich finde alles an einem Ort wieder, wenn ich es verzweifelt suche. Das ist für mich im Vergleich zu früher ein Riesenfortschritt. Anschließend übertrage ich die Aufgaben mal in die Wochenübersicht, mal direkt in die Tagesplanung (max. drei pro Tag!) – da habe ich mein persönliches System noch nicht so recht gefunden.

Will ich Tracker in das Bujo aufnehmen?

Ich liebe meine Tracker – ich habe einen für Gewicht und Körpermaße, einen für den Haushalt (so befriedigend, wenn ich dort möglichst viele Häkchen sehe, die alle für eine erledigte Aufgabe stehen!), einen als Schmerzkalender und einen für alle möglichen Gewohnheiten, die ich entweder gern etablieren oder beibehalten würde (unter der Woche keine Süßigkeiten, zwei- bis dreimal pro Woche zum Sport, selbst kochen, vor 24 Uhr ins Bett, Kontakt zu Freunden und Familie halten usw.). Wer mehr Sport macht als ich oder dabei einem bestimmten Trainingsplan folgt oder auf ein Ziel hinarbeitet und seine Leistungen vergleichen will, kann gut auch einen detaillierten Sporttracker aufnehmen.

Gibt es Themen, die ich unbedingt erfassen, Ideen, die ich sammeln will?

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Dafür ist in den Planungsübersichten meist zu wenig Platz und es beginnt das nervige Hin- und Herblättern, wenn ihr euch später zwar erinnern könnt, dass ihr mal aufgeschrieben habt, welches Buch euch die Kollegin empfohlen habt, aber nicht mehr wisst, wo. Deshalb lagere ich sowas in separate Listen und einzelne Seiten aus. Titel und Seitenzahl notiere ich im Inhaltsverzeichnis meines Bujo. So finde ich das Ganze auch wieder, wenn das Ding voller ist als jetzt. Zur Inspiration findet ihr meine aktuellen Sonderseiten oben in der Diaschau.

Wo und wie will ich diese einzelnen Komponenten im Notizbuch aufteilen?

Ich habe bei meiner Recherche auf einem Blog gelesen, dass jemand das Notizbuch von vorn als Planungstool benutzt – und für die Sonderlisten und Tracker das Buch umdreht und von hinten und auf dem Kopf beschreibt, weil er so nicht über 20 Listen blättern muss, um endlich seine aktuelle Wochenplanung zu finden. Ich habe es weitestgehend gemischt, weil ich es schön finde, beim Blättern zur profanen Wochenplanung (die ja doch immer „Arbeit“ bedeutet) auch meine hübschen und besonderen Spezialseiten zu finden. Ein System habe ich allerdings doch: Die Tracker befinden sich immer direkt hinter der Jahres- (Gewicht und Maße) beziehungsweise hinter der Monatsübersicht – einfach, weil ich sie auch jahres- beziehungsweise monatsweise führe.

Habt ihr diese Fragen für euch beantwortet, kann es losgehen: Legt euch euer Bujo an – ob ihr dabei malt, klebt, collagiert, stempelt und zeichnet oder einfach nur schreibt, ist ganz allein eure Sache. Es gibt kein richtig oder falsch, sondern nur ein „passt für mich“ – oder eben nicht. (Aber ich bin meganeugierig. Wenn ihr also eure eigenen Bujos zeigen wollt, freue ich mich über Bilder oder Links!)

Und bloß keine Panik: Weil man, anders als bei fertigen Kalendern, nicht weit in die Zukunft gestaltet (Termine, die weit in der Zukunft liegen, haben aber trotzdem Platz, dafür gibt es die Jahresübersicht), kann man sein System auch ständig neu anpassen. Ich nehme mir zum Beispiel jeden Monat und dann jede Woche (jedenfalls ist das der Plan) die Zeit, die neue Planungseinheit zu gestalten. Und ich habe eine Liste „Dinge, die ich im Bujo ändern will“ – dort notiere ich alles, was nicht oder noch nicht gut genug funktioniert und kann dann, wenn ich mich das nächste Mal hinsetze und den nächsten Monat oder so beginne, dort nachschauen und die Dinge einfach berücksichtigen.

Kleiner Extratipp:

Das klassische Journaling-System kennt einzelne Symbole, mit denen jeweils gekennzeichnet wird, ob euer Stichpunkt einfach nur eine Notiz, ein Termin oder eine Aufgabe ist. Das ist enorm praktisch, weil man nicht die ganze Seite lesen muss, um herauszufinden, ob man da wichtige, dringende Aufgaben notiert hat. Ich habe diese Symbole deshalb auch übernommen (und um ein paar eigene ergänzt), aber mich hätte es genervt, immer wieder zur ersten Seite blättern zu müssen, um die Symbolübersicht zu finden. Ich habe sie deshalb auf ein kleines Stück schönes Designpapier geschrieben (bei mir 2 x 6 cm) und das oben und unten gelocht. Durch beide Löcher fädelt ihr das Lesebändchen, mit dem ihr markiert, auf welcher Seite ihr gerade arbeitet – und schon habt ihr eure Symbollegende automatisch immer an genau der Stelle, wo ihr sie gerade braucht.

Zum Schluss könnt ihr (müsst ihr aber natürlich nicht) das Cover eures Bujos noch gestalten.

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Ich habe mit metallfarbenen Lackmalern einen Schmetterling gezeichnet, der in seinen Flügeln und Fühlern die Werte trägt, die mir persönlich wichtig sind. So werde ich schon beim Anblick des Covers immer daran erinnert, wohin ich mich entwickeln möchte. Das Einzige, was ich jetzt noch brauche, ist eine gut passende Hülle, die den Einband schützt (Ich hasse es, wenn mein Notizbuch abgestoßene Ecken hat), aber da muss ich wohl weitersuchen. Selbstklebende Folie wäre noch eine Idee, aber die kriege ich ohne Luftblasen oder Falten einfach nicht verarbeitet und das würde mich jedes Mal ärgern, wenn ich mein Bujo in die Hand nehme.

Bis jetzt jedenfalls ist das Bullet Journal eine neue, großartige Erfindung in meiner persönlichen Glückstüte und wie immer wünsche ich euch: Sucht das kleine und das große Glück und packt es in eurer eigenen Tüte sicher ein, damit ihr es herausholen und es genießen könnt, wenn ihr es ganz dringend braucht!

Eure2018-04-08 18.24.10

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