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Malen lernen III: Bilder retten

Wer malen lernen will, aber aus Erfahrung weiß, dass er sich mit Pinsel, Farbe und Perspektive schwer tut, sollte das machen wie ich und an einem Sehnsuchtsort einen Kurs buchen. War ich bei den Vorarbeiten für mein Gemälde noch Feuer und Flamme, endete der erste Maltag meiner Wellness- und Kreativpressereise auf Langeoog mit Frust und schlechter Laune. Aber wenn man einschläft mit dem Rauschen des Windes über der Nordsee im Ohr und aufwacht von den Schreien der Möwen und dem Duft nach Salz und Frische, dann hält sich schlechte Laune nicht lange. Und Frust auch nicht.

Am zweiten Maltag startete ich also im Malatelier von Langeoog mit dem festen Vorsatz, aus der beklecksten Leinwand doch noch ein passables Bild zu machen. Nur wie angehen?

Die rettende Idee hatte Marlies Eggers vom Tourismusservice Langeoog, die die Bloggerreise organisierte und als Künstlerin und Kursleiterin einen tollen Job machte: Statt mich weiter mit der Acrylfarbe abzumühen beim Versuch, die dicke Kohleschicht meiner Skizze zu überpinseln, sollte ich Strukturpaste benutzen.

Tipp 1: Wundermittel Strukturpaste

2017-05-03 16.34.36Was soll ich sagen? Ein tolles Zeug! Mit großzügigen Strichen aus dem Handgelenk putzte ich die Paste auf die Leinwand – dort, wo Strand entstehen sollte – und bekam so nicht nur endlich eine helle Grundierung, sondern gleichzeitig auch noch eine Struktur, die wirklich an Sand erinnert. Strukturpaste (jedenfalls die, die ich hier verwendet habe) ist weiß, aber man kann sie einfach mit der richtigen Acrylfarbe mischen. So entstand bei mir also Sand in verschiedenen Schattierungen.

Tipp 2: Malläppchen statt Pinsel

DSCN8359Mit dem Pinsel hatte ich die Grundierung aufgetragen, was bekanntermaßen zunächst in einem Desaster endete. Jetzt sollte es also anders weitergehen. Mit dem Mal-Lappen. Ich hatte bis zu diesem Malkurs immer gedacht, diese Dinger seien nur dafür da, das Wasser aus dem Pinsel zu drücken. Dass man damit selbst malen kann, war mir neu. Geht aber prima. Einen Zipfel des Lappens um den Zeigefinger wickeln, damit Farbe aufnehmen und auf die Leinwand tupfen oder reiben. Auf diese Weise kann man auch verschiedene Farben verblenden, Ränder konturieren (wie an der Unterseite meines Dünengrases), Übergänge weicher gestalten oder Akzente setzen. Braucht ein bisschen Übung – vor allem, um ein Gefühl für die richtige Farbmenge zu bekommen. Aber hat man das einmal raus, arbeitet es sich mit dem Lappen viel einfacher als mit dem Pinsel. Im Handel kann man Mal-Lappen direkt kaufen. Aber welchen Lappen Sie auch benutzen, wichtig ist vor allem, dass er nicht fuselt und nicht abfärbt.

Tipp 3: Stahlwolle und Topfkratzer für Effekt

DSCN8362Dank Lappen und Strukturpaste war der Strand samt Dünen also gerettet. Auch das Meer und die seltsame Sandbank nahmen so Kontur an. Blieb noch die Sache mit dem Dünengras. Die Aussicht, jeden Halm einzeln mit einem Pinsel zu ziehen, war nicht sehr verlockend. Aber auch dafür hatte Marlies Eggers einen Geheimtipp: Stahlwolle. Die Dinger, die man benutzt, um angebackene Töpfe wieder richtig sauber zu schrubben, hatte Marlies Eggers in kleine, handliche Stücke zerschnitten. Mit dem Pinsel Farbe in der richtigen Dünengrasmischung auf die Leinwand tupfen und dann mit dem trocknen Stahlwolle-Stück schwungvoll nach oben ziehen. Dauert keine drei Sekunden und fertig ist ein täuschend echt aussehendes Büschel Dünengras. Dichtere Vegetation wie Hecken entstehen, wenn man die grobe Seite eines Topfkratzer-Schwamms benutzt, um damit Farbe aufzutupfen.

Tipp 4: Gischt malen wie Kaulquappen

2017-05-03 16.34.36Der Lauf des zweiten Tages machte mich ein bisschen größenwahnsinnig. Ich wollte nicht nur ein Meer. Ich wollte ein Meer mit Gischt und Schaumkronen auf den Wellen. Das allerdings geht nur mit einem Pinsel und mit denen stand ich ja auf Kriegsfuß. Aber auch dafür hatte Marlies Eggers eine Lösung. „Gischt malt man wie kleine, weiße Kaulquappen“, sagte sie und zeigte mir, wie das geht: ein winziges Oval, daran ein kleines, geschwungenes Schwänzchen. Wirkt eigenartig, aber tatsächlich: Wenn das fertig ist und man sich die Sache mit etwas Abstand ansieht, spielt Gischt auf meinem Meer.

Tipp 5: Weiß kann fast alles retten

Das Bild war fast fertig und hatte tatsächlich zumindest ein bisschen Ähnlichkeit mit meiner Fotovorlage, auch wenn ich mir eine großzügige künstlerische Freiheit zugestanden hatte. Aber aus der Ferne betrachtet (übrigens auch ein Tipp meiner persönlichen Malkönigin: Das Bild im Laufe des Prozesses immer mal wieder aufstellen und aus der Ferne betrachten, um zu sehen, wo es noch hapert) stimmte etwas mit meiner Düne nicht. Ich hatte den Dünengrasbüscheln am Ansatz braune Akzente verpasst, die jetzt aber viel zu dominant und dadurch unnatürlich wirkten. Aber: Weiß rettet alles. Einfach ein bisschen Weiß mit dem Mallappen aufnehmen und vorsichtig über die benannten Stellen reiben. Das mildert das Braun und softet die Übergänge. Gleichzeitig kann Weiß Akzente setzen – zum Beispiel Reflektionen im Wasser.

Tipp 6: Vorne und hinten, groß und klein

Am Ende des zweiten Maltages unserer Bloggerreise war also tatsächlich ein Bild entstanden. Eines, das ich selbst, ganz und gar eigenhändig gemalt hatte. Ich bin immer noch ein bisschen fassungslos, dass das tatsächlich möglich war. Ich kann malen! Und ich brauchte eine Weile, aber letztlich habe ich auch noch den letzten Fehler gefunden. Irgendwas stimmte an der Perspektive nicht, die Dünen im Vorder- und die im Mittelgrund wirkten identisch, dabei sollte doch eine weiter hinten stehen als die andere. Ich kam lange nicht dahinter, warum sie das nicht tat. Ich hatte die Kontur schattiert, den Rand mit Dünengras akzentuiert und trotzdem wirkte es wie ein Brei. Auf der Heimfahrt von Langeoog schließlich war da der Geistesblitz: Wenn auf einem zweidimensionalen Bild ein dreidimensionaler Effekt entstehen soll, muss, was weiter hinten liegt, auf dem Bild weiter oben beginnen und kleiner sein als alles davor. Bei mir war das Dünengras aber auf allen Dünen gleich groß. Das muss ich in den nächsten Tagen noch korrigieren. Dann dürfte mein erstes Bild wirklich fertig sein. Und dann: Nehme ich gern Gebote entgegen 😉.

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Malkurse bei Marlies Eggers kann man auf Langeoog übrigens auch als ganz normaler Gast mehrmals pro Woche buchen. Sie dauern drei Stunden und bisher hat jeder in dieser Zeit ein fertiges Bild mit nach Hause genommen.

Und wer noch nicht weiß, wo er übernachten soll, wenn er wie ich malen lernen will, findet bei Monika von den Entdecker-(G)reisen vielleicht eine Inspiration. Sie hat auch mitgemalt, sich hier aber erstmal ausführlich mit unserem Hotel beschäftigt und liefert für alle ganz Neugierigen auch noch mal einen Überblick über die ganze Presse- und Bloggerreise. Und wer mehr über Langeoog wissen will, kann ja mal bei Milos von der Trendlupe vorbei schauen.

Malen lernen, Teil II: Farbe

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So viel vorweg: Pinsel und ich – das wird in diesem Leben keine Freundschaft mehr. Aber ein weitere wichtige Lektion, die ich auf der Wellness- und Kreativpressereise auf Langeoog gelernt habe, war: Man kann auch mit einem Lappen, einem Topfkratzer und Stahlwolle malen und sogar viel besser als mit ordinären Pinsel. Jedenfalls, wenn ich von mir ausgehe. Der Mallappen hat mich gerettet – vor allem in Verbindung mit Strukturpaste. Aber vorher kam der große Frust:

Skizze: Sparsam mit Kohle umgehen

Wir erinnern uns an „Malen lernen, Teil I“: Die Fotovorlage ist in Linien und Flächen zerlegt und diese als Skizze auf die Leinwand gebracht. Jetzt also Farbe. Als erstes sollten die Flächen der Skizze grundiert werden. Es geht hier noch nicht darum, im eigentlichen Sinne zu malen, sondern ist eher die Vorbereitung der Leinwand, auf der kein weißer Fleck mehr zu sehen sein soll, wenn man mit dem Malen der Motive beginnt.

2017-05-02 15.29.21Nachdem meine Skizze also auf der Leinwand war – mit viel, viel zu viel Kohleeinsatz, was ich aber erst später bemerkte – fingen wir an Farben zu mischen. Dafür stehen im Malatelier auf Langeoog Papp- und alte Porzellanteller zur Verfügung. Die einen dienten als Paletten und nahmen rundherum je einen Klecks jeder Farbe auf. Auf dem anderen konnte gemischt werden, was das Zeug hielt – vor allem, weil wir mit Acrylfarbe arbeiteten, die man abwaschen kann (übrigens mit Wasser aus der Sprühflasche und Läppchen auch vom Bild, wenn man sich vermalt hat). In eine Künstlerpalette muss also schon mal keiner investieren, wenn er mit dem Malen anfangen will.

Den Himmel grundierte ich also in einem hellen, das Meer in einem dunklen Blau, die Sandbank dazwischen und die Dünen im Vordergrund in einem hellen Beige. Jedenfalls war das der Plan. Der allerdings ordentlich schief lief, weil die dicke Kohleschicht meiner Skizze durch die Farbe drückte und meine sorgfältig gemischten Sandtöne in ein schmutziges Grau-Braun verwandelte. Dagegen helfen übrigens drei Kniffe:

  1. Weniger Kohle beim Skizzieren benutzen!
  2. Vorm Grundieren überschüssige Kohle mit einem Lappen abwischen!
  3. Die Acrylfarbe mit wenig Wasser anmischen und auftragen! So deckt sie besser.

Das weiß ich jetzt. Beim Malen habe ich es – wie so oft – erst durch Trial and Error gemerkt und war super gefrustet. Vor allem auch, weil die anderen scheinbar mühelos durch diese ersten Schritte kamen und schon echte Bilder erkennen ließen, als ich immer noch mit der Grundierung kämpfte.

Richtig malen mit Acrylfarbe – Expertentipps

Und weil wir ja nicht alle dieselben Fehler machen müssen, für Sie meine gesammelten Erkenntnisse und die Tipps von Marlies Eggers zum Umgang mit Acrylfarbe im Schnelldurchlauf:

  1. Mischen: Zum Aufhellen und Abdunkeln kommen Weiß und Schwarz in die Hauptfarbe – aber nur in den Rand des Farbkleckes. So kann man feiner hin- und hermischen und experimentieren, um wirklich den richtigen Ton zu treffen und vermurkst nicht immer gleich die komplette Farbe auf der Palette.DSCN8359
  2. Acrylfarbe kann man, solange sie feucht ist, prima auch auf der Leinwand noch miteinander mischen. Dafür setzt man die zweite Farbe in Punkten, Strichen, kleinen Klecksen auf die erste und fährt dann mit einem weichen Mal-Läppchen darüber. Je kräftiger man reibt, desto homogener vermischen sich die Farben. Reibt man weniger intensiv, entstehen schöne Effekte mit Farbverläufen und verschiedenen Überlappungen, die wir zum Beispiel genutzt haben, um ein bewegtes Meer zu imitieren.
  3. Sparsam mit Wasser umgehen. Wasser zur Farbe zu geben, ist zwar auch eine Methode, den Farbton aufzuhellen, Sie verlieren damit aber massiv an Deckkraft.
  4. Wer sich „vermalt“ hat, sprüht einfach Wasser auf die Fehlstelle und reibt mit einem sauberen Lappen so lange darüber, bis die falsche Farbe weg ist. Ist die Farbe noch feucht, geht das oft sogar ohne Wasser.

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All diese Hinweise und Hilfestellungen brachten mich allerdings (noch) nicht weiter. Am Ende des ersten Tages hatte ich ein Bild mit Flecken, Klumpen und Schlieren in verschieden kackbraun-grauen Tönen vor einem blauen Band mit einer braunen Zunge (Meer und Sandbank, aber nur für Betrachter, die das vorher wussten). Einzig der Himmel war als solcher zu erkennen und richtig schön geworden. Der Rest sah eher nach Atommüll aus als nach idyllischem Sandstrand.

Zum Glück mussten wir an diesem Punkt unterbrechen, als ich gerade begann, mich so richtig schön in meine schlechte Laune hineinzusteigern. Am Abend stand eine Klangschalen-Meditation an (Grandios! Danach waren nicht nur die Anstrengung und Anspannung weg, sondern auch meine miese Laune), also blieb das „Bild“ erstmal liegen. Übrigens ein weiterer Tipp von Marlies Eggers, der sich als goldrichtig erweisen sollte: „Wenn man festgefahren ist, dann findet man keine Lösung, indem man weiter an dem Problem rumbeißt. Dann hilft nur, alles zur Seite zu legen, etwas anderes zu machen, darüber zu schlafen. Man muss loslassen können, um zum Ziel zu kommen.“

Nun ist loslassen nicht gerade meine große Stärke, aber mit einem Schubs hier und ein bisschen Motivation da hat das auch bei mir geklappt. Am nächsten Tag.

Malkurse bei Marlies Eggers kann man auf Langeoog übrigens auch als ganz normaler Gast mehrmals pro Woche buchen. Sie dauern drei Stunden und bisher hat jeder in dieser Zeit ein fertiges Bild mit nach Hause genommen.

Und wer noch nicht weiß, wo er übernachten soll, wenn er wie ich malen lernen will, findet bei Monika von den Entdecker-(G)reisen vielleicht eine Inspiration. Sie hat auch mitgemalt, sich hier aber erstmal ausführlich mit unserem Hotel beschäftigt und liefert für alle ganz Neugierigen auch noch mal einen Überblick über die ganze Presse- und Bloggerreise. Und wer mehr über Langeoog wissen will, kann ja mal bei Milos von der Trendlupe vorbei schauen.

Malen lernen, Teil I: Die Vorarbeiten

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Marlies Eggers organisierte und betreute die Blogger- und Pressereise zu Kreativ- und Wellnessthemen auf Langeoog und unterstützte damit auch die Entstehung dieses Posts.

„Jeder kann malen!“, sagt Marlies Eggers vom Tourismusservice Langeoog, und wird dabei sehr energisch, als wir in der Bar des Bio-Hotel „Strandeck“ auf der Nordseeinsel zusammensitzen. Tag zwei der Wellness- und Kreativpressereise. Sechs Teilnehmer, zum größten Teil Blogger, aber auch Journalisten. Wir waren mit Pilates in den Tag gestartet und für mich war das der einfache Teil. Jedenfalls im Vergleich zu dem, was jetzt folgt: malen.

Meine wenig motivierenden Erfahrungen im Hinterkopf war ich eine von denen, die als Erstes „Ich kann nicht malen!“ rief, als die Runde sich zur Theorie zusammenfand. Nun also will Marlies Eggers mir das Gegenteil beweisen. Und auch, wenn der Weg hart und steinig wird, sei so viel verraten: Sie hat recht. Ich kann wirklich malen – jedenfalls so ein bisschen. Aber dazu später.

Wer malen will, muss lesen lernen

Meine wichtigste Lektion auf diesem Weg: Wer malen will, muss lesen lernen.

Bilder lesen.

Dazu erklärt Marlies Eggers kurz die theoretischen Grundlagen für ein spannendes Bild (und dabei ist egal, ob es sich um ein Foto oder ein Gemälde handelt):

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  • Ein gutes Bild hat einen Vorder-, einen Mittel- und einen Hintergrund. Objekte im Vordergrund sind detailliert zu sehen. Je weiter weg etwas ist, desto verschwommener, ungenauer kann es dargestellt werden.
  • Die Perspektive kann für Spannung im Bild entscheidend sein. Gehen Sie in die Hocke und stellen Sie sich auf Zehenspitzen, um zu entscheiden, welche Perspektive Ihnen besser gefällt, worauf Sie mehr Wert legen und welches Gefühl Sie erzeugen wollen. Von unten betrachtet, sind Details im Vordergrund meist sehr dominant. Von oben betrachtet, bekommt ein Bild mehr Weite.

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  • Der Goldene Schnitt ist eine Regel zur Bildkomposition, die – sehr stark vereinfacht – erklärt, dass ein Bild mehr Dynamik bekommt, wenn die Hauptmotive nicht mittig platziert werden.

Motivsuche und Bildkomposition

Ausgerüstet mit diesem Wissen, Smartphone, Kamera und einer Mütze (Windstärke sieben, auf Fahrrädern, ganz oben auf dem Deich. Muss ich erwähnen, dass ich peinlicherweise irgendwann doch absteigen und schieben musste?) zogen wir also los, um unser Motiv für das Gemälde zu suchen, das auf dieser Pressereise noch entstehen sollte (und ich war noch lange nicht überzeugt, dass das klappen würde).

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Am der/die/das Flinthörn – irgendwann muss ich noch googeln, woher der Name kommt – boten sich davon unendlich viele. Hier ist die Natur schon wie gemalt. Hohe, fast weiße Sanddünen, dahinter die stahlgraue Nordsee, die in diesem Moment das Watt nur noch hauchdünn überspülte.

Die Dünen zu erklettern ist nur auf den ausgewiesenen Wegen erlaubt – kraxelt man direkt in die Dünen, reagieren die Insulaner zu Recht ziemlich empfindlich. Nicht nur, dass die Dünen existenzieller Schutz gegen Hochwasser und Springfluten sind, die sonst die ganze Insel bedrohen könnten, sie sind auch ein einzigartiger Lebensraum und den schützen die Insulaner mit Leidenschaft.

Das ist mir übrigens auf allen ostfriesischen Inseln aufgefallen. Nachhaltig und im Einklang mit der Natur zu leben, sind hier keine hohlen Floskeln, sondern Alltag. Mich hat das beeindruckt, aber vielleicht ist es auch ein Automatismus, wenn die eigene Existenz so sehr abhängt von den Launen der Natur wie auf den Inseln, die Ebbe und Flut beuteln.

Am Ende fiel die Auswahl unter zahlreichen Motiven jedenfalls schwer und ich entschied schließlich nach drei Kriterien:

  1. Hat das Motiv genug Spannung, ist es NICHT langweilig?
  2. Hat es möglichst wenig Details (Ich befürchtete, das beim Malen nicht nur nicht hinzubekommen, sondern auch schlicht die Zeit dafür nicht zu haben)?
  3. Ist es für einen Laien am Pinsel umsetzbar (Die Frage musste Marlies beantworten und sie hatte deutlich mehr Vertrauen in mich als ich selbst)?

Im Malatelier, das auf Langeoog in der die „Spöölstuv“, einer Art Indoor-Spielplatz und Ferientreff für Kinder, untergebracht ist, lernten wir dann noch mal ganz neu lesen. Bilder lesen. Hochspannend! Ob ich das Malen weiterverfolge, weiß ich noch nicht, aber diesen Teil will ich auf jeden Fall weiterverfolgen, weil es einem einen ganz neuen Blick auf die eigene Umgebung öffnet.

„Ihr unterteilt das Bild in Linien und Formen, in Hell und Dunkel“, erklärt Marlies dazu. Tatsächlich hilft es, dazu das Foto mit etwas Abstand und leicht zusammengekniffenen Augen zu betrachten. Und dann werden diese grafischen Elemente, auf die man reduziert, mit Bleistift und Zeichenkohle als Skizze angelegt (entweder erstmal auf Papier oder gleich auf der Leinwand) und zwar in dieser Reihenfolge:

  1. Horizontlinie. Sie ist der Ankerpunkt im Bild, an dem wir alle anderen Elemente ausrichten. Am Foto wird Pi mal Daumen „ausgemessen“, wo im Motiv sie verlaufen muss – in der Bildmitte, im oberen oder unteren Drittel?
  2. Als nächstes folgte in unserem Fall die fast parallel laufende Meereslinie.
  3. Zum Schluss die Kreise, Drei-, Vier- und Vielecke, in die wir das Bild zerlegt hatten. Es geht bei der Skizze nicht um Details, sondern wirklich nur darum, die Fläche, die zum Malen zur Verfügung steht, grob einzuteilen, um später eine Orientierung zu haben. Für die richtigen Proportion nehmen Sie die Horizontlinie zur Hilfe und schauen Sie, wo das zu skizzierende Objekte im Verhältnis zur Horizontlinie beginnt und endet, wie breit, lang oder schmal es im Vergleich ist und so weiter.
  4. Nun schraffieren Sie Flächen, die dunkel werden sollen, mit der Kohle. Aber VORSICHT: eine ganz sanfte Schraffur reicht völlig aus. Ich habe im künstlerischen Überschwang ein ganzes Kohlestück aufgebraucht, um meine dunklen Flächen zu markieren. Das einzige Ergebnis: Die helle Grundierung aus Acrylfarbe, die ich später aufgebracht habe, konnte die Kohle nicht richtig abdecken und statt weißem Sand hatte ich schmutzig-grauen Atommüll auf meinem „Bild“.

Sind diese Vorarbeiten abgeschlossen, geht es ans Eingemachte, an die Arbeit mit Farben. Davon gibt es mehr in „Malen lernen, Teil II“. Spoiler: Wer wenig Frustrationstoleranz hat, sollte diesen Teil auslassen. Oder zumindest gleich einen Profi an seiner Seite haben, der Bild wie Laune retten kann. So wie in meinem Fall.

Malkurse bei Marlies Eggers kann man auf Langeoog übrigens auch als ganz normaler Gast mehrmals pro Woche buchen. Sie dauern drei Stunden und bisher hat jeder in dieser Zeit ein fertiges Bild mit nach Hause genommen.

Und wer noch nicht weiß, wo er übernachten soll, wenn er wie ich malen lernen will, findet bei Monika von den Entdecker-(G)reisen vielleicht eine Inspiration. Sie hat auch mitgemalt, sich hier aber erstmal ausführlich mit unserem Hotel beschäftigt und liefert für alle ganz Neugierigen auch noch mal einen Überblick über die ganze Presse- und Bloggerreise. Und wer mehr über Langeoog wissen will, kann ja mal bei Milos von der Trendlupe vorbei schauen.

Luftholen für die große Kreativitätssause

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Hier war jetzt einige Zeit Ruhe, aber das hatte seinen Grund: Die Stille war sozusagen der Tusch, der Trommelwirbel vor dem großen Finale. Ich hole Luft für zwei Tage Kreativität pur. Diesen Text schreibe ich in einem kleinen Hotelzimmer in Bensersiel – einem Ort, den man nicht unbedingt kennen muss. Von allen Nordsee-Küstenorten, in denen ich bisher war, ist er der uninteressanteste. Aber: Hier legt die Fähre von und nach Langeoog an und da beginnt morgen für mich eine Kreativ- und Wellnesspressereise.

Und dabei soll ich etwas lernen, Achtung, hier ist der richtige Platz für den Trommelwirbel, das ich wirklich, wirklich nicht kann: malen!

Ich habe mir vorgenommen, den Weg dahin und das Ergebnis im Detail hier zu teilen (im Zweifel halt in der Kategorie „Wie es nicht geht“) und das macht mir ein bisschen Angst, denn vor meinem inneren Auge ziehen all die Malversuche meiner Kindheit, Jugend und die paar wenigen meiner Erwachsenenzeit vorbei. Ich habe den Versuch irgendwann aufgegeben. Auf dem linken Auge fast blind, habe ich kein räumliches Sehen und das, stellte sich heraus, ist echt hinderlich, wenn es darum geht, Perspektive auf ein Blatt Papier zu bringen. Leider habe ich für meine Unfähigkeit in Sachen Bildaufbau, Farbauftrag und Detailausarbeitung keine so schöne Ausrede. Ich kann das einfach nicht. Und bin deshalb umso gespannter, ob der oder die Expert(in), der uns bei dieser Blogger- und Pressereise begleitet, daran etwas ändern kann.

Und weil das toll, aber sicher auch anstrengend wird, habe ich mir gestern und heute zwei Tage Auszeit nur für mich gegönnt, hier in Bensersiel (Davon zeugen die Bilder oben ausführlich). Nichts entspannt mich so schnell so sehr wie ein paar Stunden Spaziergang am Wassersaum, wenn die Ebbe die Nordsee verschluckt hat. Und die Wanderung nach Neuharlingersiel heute hat mir den Kopf restlos frei gepustet – kein Wunder bei 10 Kilometern im Gegenwind mit Windstärke 6. Neuharlingersiel übrigens sollte man als Nordseefan durchaus mal gesehen haben. Das ist mit seinem historischen Kutterhafen wirklich zauberhaft.